Pfarrpatron

Arnoldus WappenDer heilige Arnold von Arnoldsweiler

Welche Quellen berichten über den heiligen Arnold?

Die wichtigste ist das Stundengebet zum Fest des hl. Arnold aus der Zeit zwischen 973 und 980. Sieben seiner neun Lesungen berichten über das Wirken des Heiligen. Sie stützen sich auf Niederschriften über die übereinstimmenden Aussagen von mehreren vereidigten Augenzeugen. Diese wurden spätestens 1150 durch eine Brandkatastrophe vernichtet. Die in der dritten und vierten Lesung des Stundengebetes ausführlich dargestellte Schenkung des Bürgewaldes ist eine unanfechtbare Rechtsquelle. Auf ihr beruhen die Urkunde des Herzogs von Jülich vom 18. März 1360 und die Urteile des Aachener Landgerichtes vom 22. August 1833 und vom 7. August 1834 über das Kerzenopfer. Archäologische und kunsthistorische Befunde, Urkunden und Berichte aus dem Rheinland und aus Frankreich bestätigen oder ergänzen die Mitteilungen des Stundengebetes über den hl. Arnold.

Sein Wirken, seine Heiligsprechung und seine Verehrung hat der Priester, Theologe, Jurist und spätere Offizial des Erzbistums Köln, Dr. Arnold Steffens, in den Jahren 1882 - 1887 wissenschaftlich untersucht. als erster veröffentlichte er den von ihm kritisch gesichteten, vollständigen Text des Stundengebetes und übersetzte die Lesungen aus dem Mittellateinischen ins Deutsche. Die wichtigsten Ergebnisse seiner Darstellung wurden durch die wissenschaftliche Forschung der vergangenen 130 Jahre bestätigt. Sie sind in belgischen, französischen und deutschen Fachzeitschriften, Nachschlagewerken und im Handbuch der päpstlichen Lateranuniversität über den Heiligen veröffentlicht.

Die vorliegenden Quellen und Befunde enthalten Hinweise auf einige Daten über das Wirken des hl. Arnold. Fast alle können nur annähernd bestimmt werden, was für viele Vorgänge im Mittelalter gilt. Aber sie beweisen zweifelsfrei die Existenz des hl. Arnold, die von ihm und dem Kölner Erzbischof angeordnete Wallfahrt zur Ehre Gottes und seine Heiligsprechung.

Was wissen wir über den hl. Arnold?

Arnold lebte zur Zeit Karls des Großen. Der adelige Grundherr und Musiker gehörte zur Führungsschicht des fränkischen Reiches. Seinen Einfluss nutzte er, um in Not geratenen Menschen zu helfen. Fast die gesamte Bevölkerung in der Nähe seines Landgutes Ginnizwilre (Kurzform: Wilre) nördlich der Königspfalz Düren litt unter einem Mangel an Bau- und Brennholz, denn sie durfte den zur Pfalz gehörenden Wald nicht für den Eigenbedarf nutzen

Arnold erbat 774 während einer Jagd von Karl ein Waldgebiet zwischen Elle und Erft westlich von Köln, das der König ihm zusagte. Gemäß dem geltenden Recht grenzten beide den Wald ab, indem sie oder ihre Beauftragten ihn umritten und Bäume als Grenzzeichen markierten. Die ausführlich geschilderte Übergabe fand in Anwesenheit aller Führungskräfte des Reiches 775 auf dem Reichstag von Düren statt. Sofort nach dem Erhalt schenkte Arnold den Wald Gott und verteilte ihn unter den anliegenden Orten, in deren Besitz er bis 1967 blieb. Ihre Bewohner verpflichtete Arnold zu einer Gegenleistung: Jedes Jahr am Pfingstdienstag mussten sie in der Kapelle von Wilre zur Ehre Gottes eine bestimmte Anzahl von Kerzen opfern.

Wahrscheinlich im Jahre 778 ernannte Karl der Große Arnold zum Grafen von Agde und Béziers bei Montpellier (heute: Départment Hérault, Frankreich). 781 setzte Karl seinen vierjährigen Sohn Ludwig als Unterkönig in Aquitanien ein und bestellte Arnold zu dessen Erzieher. Zudem leitete er die Verwaltung des Hofes und einen Rat von Adeligen. Mit ihm regierte er im Auftrage Karls des Großen und im Namen seines Sohnes Ludwig das Unterkönigreich etwa zehn Jahre.

In dieser Zeit arbeitete Arnold mit dem Benediktinerabt Benedikt von Aniane zusammen. Er und die Mönche des von ihm gegründeten Klosters befreiten Menschen aus der Sklaverei und unterstützten viele Hilfsbedürftige. Während der schweren Hungersnot 792/93 wurde ihr Einsatz für die Not Leidenden an der Küste des Mittelmeeres und im Innern des Landes bekannt. Vermutlich in dieser Zeit schenkte Arnold der Abtei Aniane (heute: Département Hérault, Frankreich) sein gesamtes Vermögen, das er in Aquitanien erworben hatte.

Danach trat er vermutlich vom Grafenamt zurück und begann eine Pilgerreise zum Grab des hl. Apostels Jakobus im heutigen Santiago de Compostela (Galizien, Spanien). Die Existenz des Apostelgrabes war in Südfrankreich bereits bekannt, bevor der zuständige Bischof das Grab und die Pilgerfahrt offiziell anerkannte. Dieser Vorgang wurde später als Entdeckung des Grabes gedeutet. Wegen der Hungersnot musste Arnold seine Pilgerreise in Südfrankreich abbrechen. Nach einem Aufenthalt an der Gironde kehrte er nach Wilre zurück wo er am 18. Juli 793 starb und in der von ihm erbauten Kapelle bestattet wurde.

Was sagt die Kirche?

Das Stundengebet beweist, dass Arnold bereits lange vor 973 heiliggesprochen war. Nach 973 verfasste sehr wahrscheinlich Erzbischof Gero oder ein von ihm beauftragter Kleriker das Stundengebet. Zu dieser Zeit waren die Metropoliten der Kirchenprovinzen für Heiligsprechungen und die Genehmigung liturgischer Texte zur Heiligenverehrung zuständig. Zudem beweisen die Urkunden des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg von 1168 sowie Papst Gregors XI. von 1375 und 1376 die Heiligsprechung und die Verehrung des hl. Arnold. Sie bezeichnen den Ort als "Wilre Sancti Arnoldi" (St. Arnoldsweiler). Auf persönliche Anordnung von Papst Leo XIII untersuchte die Ritenkongregation die Heiligsprechung, bestätige sie 1886 und schrieb das Fest des hl. Arnold für die gesamte Erzdiözese Köln vor. Danach würdigte der Papst das beispielhafte Handeln des Heiligen: "Wenn alle reichen und mächtigen Leute wie der hl. Arnoldus voll Nächstenliebe wären, dann gäbe es keine soziale Frage in der Welt."

Welche Bedeutung hat der hl. Arnold heute?

Am 13. Juli 1991 eröffnete der Bischof von Aachen, Prof. Dr. Klaus Hemmerle, die Arnoldusoktav mit einem Pontifikalamt. In seiner Predigt wies er auf die Bedeutung des Heiligen für die Gesellschaft von heute hin:

"Die Kirche muss im Ort bleiben. Wenn dies nicht der Fall ist, steht fest, dass der Mensch sich nicht mehr geborgen fühlt, keine Mitte, keine Heimat mehr hat. Der heilige Arnold hat in Arnoldsweiler ein Gotteshaus errichtet, das im Grunde genommen aus vier Kirchen erbaut worden ist. Nur wenn diese vier Gotteshäuser so gelebt werden, wie es der Schutzpatron vorgelebt hat, ist gewährleistet, dass die Pfarrkirche kein Museum wird.

Der hl. Arnold hat den Kaiserpalast in Aachen, seine Arbeitsstätte, zum Haus Gottes gemacht, und zwar durch seine grundsätzliche eigene Einstellung zu Gott. Er errichtete ein zweites Gotteshaus. Aus der Mitte seines Herzens ist dies geschehen. Er machte nicht nur ein wenig Unterhaltungsmusik, er brachte etwas zum Schwingen, er anerkannte etwas Größeres. Die Stimme Gottes war in ihm. Ein Drittes ist für den Heiligen entscheidend gewesen: Der Freund, der Schwächere, der Arme, der Nächste allgemein war für ihn der wichtigste Mensch. Auch heute gibt es diesen Nächsten, den Freund, den Nachbarn, den Ausländer. Schließlich schaffte er das vierte Gotteshaus: Arnold hat aus dem Glauben und aus der Liebe eine Gemeinschaft vorgelebt, in der Gott stets die Mitte war."

Am 14. Juli 2002 sagte der Aachener Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff in seiner Predigt während des Pontifikalamtes in der Pfarrkirche von Arnoldsweiler, es sei eine "Verpflichtung", jedes Jahr die Arnoldusoktav zu feiern.

Arnoldsweiler, den 18. Juli 2013

Text: Msgr. Norbert Glasmacher, Pfarrer
Dr. Willi Arnolds, Historiker
Grafik: Lothar Müller-Westphal

 

Gebet am Gedenktag des heiligen Arnold

Allmächtiger und barmherziger Gott,
du hast dem heiligen Arnold die Gnade geschenkt,
dein Lob zu singen
und in den Armen Christus zu erkennen und zu verehren.
Mach auch uns auf seine Fürbitte
treu im Glauben und beharrlich in der Liebe,
damit wir an der Herrlichkeit Anteil erhalten,
die er erlangt hat.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Quelle: Von der Gottesdienstkongregation 2004
genehmigtes Tagesgebet am Gedenktag des hl. Arnold